Medizinisches Cannabis sicher und effektiv für ältere Patienten?

Medizinisches Marihuana lindert Schmerzen, Ängste und Schlafstörungen bei älteren Menschen mit neurologischen Erkrankungen, so die neue Forschung. Nach nur vier Monaten half es, laut einer neuen Studie, bei chronischen Erkrankungen wie Parkinson, Multipler Sklerose, Bewegungsstörungen und Rückenmarks- oder Nervenschäden. Etwa sieben von zehn Patienten (69 Prozent) berichteten über eine Verbesserung, nachdem sie vier Monate lang Cannabis genommen hatten. Die Forscher waren der Meinung, dass die Verwendung von Cannabis sicher und wirksam war. Es führte zudem dazu, dass ein Drittel der Patienten, den Einsatz von hochsüchtigen Opioiden reduzierten.  Opioide kostesten in den letzten acht Jahren mehr als 200.000 Amerikaner das Leben.

Medizinisches Marihuana als Bahandlungsoption

Der Studienautor Dr. Laszlo Mechtler vom Dent Neurologic Institute in Buffalo, New York, sagte, dass mit der Legalisierung in vielen Staaten der USA  medizinisches Marihuana zu einer beliebten Behandlungsoption bei Menschen mit chronischen Krankheiten und Störungen geworden sei. Es gäbe jedoch nur begrenzte Forschung auf diesem Gebiet, besonders bei älteren Menschen. Die Ergebnisse seien vielversprechend und könnten helfen, die weitere Erforschung von medizinischem Cannabis als zusätzliche Option für ältere Menschen mit chronischen Erkrankungen voranzutreiben.

Neue Studie zu medizinischem Cannabis

In New York, wo Dr. Mechtler arbeitet, ist Marihuana für den medizinischen Gebrauch zugelassen. Ein aktueller Bericht ergab, dass die meisten der 98.000 medizinischen Marihuanakonsumenten des Staates zwischen 50 und 70 Jahre alt sind. Um zu untersuchen, wie sich das Medikament auf diese Altersgruppe auswirkt, analysierte Dr. Mechtler 204 über 75-Jährige mit einem Durchschnittsalter von 81 Jahren, die am New York State’s Medical Marijuana Program teilnahmen. Die Probanden nahmen durchschnittlich vier Monate lang verschiedene Mengen von THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol), den Hauptbestandteilen von medizinischem Marihuana, ein und wurden regelmäßig untersucht. THC ist die psychoaktive Verbindung in Cannabis, die das “High” verursacht. CBD hat diese Wirkung nicht und soll helfen, Angst und Entzündungen zu reduzieren. Die Cannabiswirkstoffe wurden entweder in flüssiger Form, als Kapsel oder in einem elektronischen Verdampfer verabreicht.

Medizinisches Cannabis gegen diverse Krankheitszustände

Der größte Nutzen wurde gegen Schmerzen beobachtet. Etwa die Hälfte (49 Prozent) der Patienten verspürte eine Linderung. Die Schlafprobleme konnten bei fast einem Fünftel  (18 Pozent) der Betroffenen reduziert werden. Taubheitsgefühle oder Schwächen, die durch einen Zusammenbruch der Nervensignale, die so genannte Neuropathie, ausgelöst wurden, nahmen bei jedem Siebten (15 Prozent) ab und die Angst verbesserte sich bei jedem Zehnten (10 Prozent). Darüber hinaus nahm jeder Dritte (32 Prozent) weniger Opioide ein.  Diese Einnahme führt häufig dazu, dass Süchtige mit illegalen Substanzen wie Heroin experimentieren. Opioide verursachten mehr Todesfälle durch versehentliche Überdosierung als jedes andere Medikament in der Geschichte der USA.  2017 wurde deswegen der nationaler Notstand im Bereich der öffentlichen Gesundheit ausgerufen.

Weitere Forschungen an medizinischem Cannabis notwendig

Dr. Mechtler  erklärte, dass  die  Studienergebnisse zeigten, dass medizinisches Marihuana bei Menschen ab 75 Jahren gut verträglich sei und Symptome wie chronische Schmerzen und Angstzustände verbessern könnte. Die zukünftige Forschung sollte sich auf Symptome wie Schläfrigkeit und Gleichgewichtsstörungen sowie auf Wirksamkeit und optimale Dosierung konzentrieren. Zunächst hatte ein Drittel (34 Prozent) der Teilnehmer Nebenwirkungen durch das medizinische Cannabis. Nach einer neuen Einstellung der Dosierung fiel diese jedoch auf ein Fünftel (21 Prozent). Die häufigsten Nebenwirkungen waren Schläfrigkeit (13 Prozent), gefolgt von Gleichgewichts- und Magen-Darm-Problemen (je 7 Prozent). Drei Prozent der Patienten hörten auf, das medizinische Marihuana wegen der Nebenwirkungen zu nehmen.

Anteil von THC und CBD wichtig

Dr. Mechtlers Team fand heraus, dass ein gleich hoher Anteil von THC und CBD in dem Medikament die besten Ergebnisse lieferte. Diese Patienten hatten die wenigsten Nebenwirkungen. Bei der Vorstudie handelte es sich um  eine retrospektive Studie, die sich auf die Teilnehmer stützte, die berichteten, dass sie eine Symptombesserung erlebt hätten. Deswegen kann ein Placebo-Effekt nicht ausgeschlossen werden. Die Forscher forderten zusätzliche randomisierte, placebokontrollierte Studien, um die Ergebnisse zu bestätigen. Nach Angaben des Centers for Disease Control and Prevention haben etwa 80 Prozent der älteren Erwachsenen mindestens eine chronische Erkrankung. Letztes Jahr fand eine Studie mit mehr als 2.700 Menschen über 65 in den USA heraus, dass medizinisches Cannabis die Schmerzen in mehr als 90 Prozent der Fälle lindert. Auf einer Schmerzskala von 10 reduzierte die Einnahme des Medikaments für sechs Monate die Werte von durchschnittlich acht auf vier.