Schmerzlinderung durch Cannabis?

Nach der Legalisierung von Cannabis hat ein Team von Wissenschaftlern am Research Institute des McGill University Health Centre (MUHC) und an der McGill University in Montreal, Kanada ermutigende Nachrichten für chronische Schmerzpatienten verkündet. Es ermittelte die effektive Dosis des Marihuana-Pflanzenextrakt Cannabidiol (CBD) für eine sichere Schmerzlinderung ohne das typische “Hoch” oder die Euphorie, die vom THC produziert wird. Die Ergebnisse ihrer Studie wurden in der Zeitschrift PAIN (The Journal of the International Association for the Study of Pain) veröffentlicht.

CBD wirkt auf Schmerz-und Angstrezeptoren

Cannabis indica und Cannabis sativa sind die beiden wichtigsten Cannabissorten, die die pharmakologischen Wirkstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) enthalten. Das Team von Dr. Gabriella Gobbi zeigte, dass CBD nicht wie THC auf die CB1-Cannabinoidrezeptoren wirkt. Stattdessen wirkt es über einen Mechanismus, der spezifische Rezeptoren bündelt, die an Angst (Serotonin 5-HT1A) und Schmerz (Vanilloid TRPV1) beteiligt sind. Die Forscher konnten die genaue Dosierung von CBD ermitteln. CBD hat analgetische und angstlösende Eigenschaften, ohne das Risiko einer Sucht und Euphorie hervorzurufen, die klassischerweise vom THC produziert werden.

Positive Versuchsergebnisse an Tieren

In Versuchen an Tieren mit chronischen Schmerzen sei herausgefunden worden, dass niedrige Dosen von CBD, die sieben Tage lang verabreicht wurden, sowohl Schmerzen als auch Ängste linderten, sagt der Erstautor der Studie Danilo De Gregorio, ein Postdoktorand an der McGill Universität im Labor von Dr. Gobbi. Sowohl Schmerzen als auch Ängste wären zwei Symptome, die oft mit neuropatischen und chronischen Schmerzen einhergehen würden.

CBD als Alternative zu THC und Opioiden

Hauptautorin Dr. Gobbi, Forscherin im Brain Repair and Integrative Neuroscience (BRaIN) Program des RI-MUHC, sieht die Ergebisse als Fortschritt für die evidenzbasierte Anwendung von Cannabis in der Medizin. CBD sei eine sichere Alternative zu THC und Opioiden bei chronischen Schmerzen wie Rückenschmerzen, Ischias, Diabetis, Krebs und posttraumatischen Schmerzen.

Die Versuchsergebnisse würden den Wirkmechanismus von CBD verdeutlichen und zeigen, dass es ohne die gefährlichen Nebenwirkungen des THC als Medikament eingesetzt werden könne, sagt Dr. Gobbi, die auch Professorin für Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät der McGill University und Personalpsychiater am MUHC ist. Diese Forschungen seien ein wichtiger Entwicklungsschritt für eine evidenzbasierte Anwendung von Cannabis in der Medizin.

Weitere fundierte Studien notwendig

Trotz der breiten öffentlichen Nutzung existieren auch in Kanada nur wenige klinische Studien über CBD, welches nach der Verabschiedung des Cannabis Gesetzes am 17. Oktober 2018 in Kanada legal wurde. Es gäbe einige Studien, die zeigten, dass CBD eine schmerzlindernde Wirkung auf den Menschen habe. Es seien jedoch weit mehr fundierte klinische Studien notwendig, meint Dr. Gobbi, die eine frischgebackene Empfängerin von Fördermitteln für Studien über die pharmakologischen Wirkungen von CBD in Kanada ist.