Cannabis bei Diabetes? Patienten warten nicht auf medizinische Empfehlungen

Ohne offizielle Anleitung versuchen immer mehr Menschen mit Diabetes herauszufinden, ob Cannabis – auch bekannt als Marihuana – hilfreich oder schädlich sein kann. Es gibt einige Hinweise darauf gibt, dass gewisse Bestandteile von Cannabis einen positiven Einfluss auf Typ-1- oder Typ-2-Diabetes haben könnten. Es ist jedoch auch offenkundig, dass Marihuana für einige Menschen mit dieser Erkrankung ein riskantes Spiel sein könnte.

Austausch über Cannabis in den Foren

In Foren wie Reddit.com, diabetesdaily.com oder grower.ch haben Menschen mit Diabetes, die an der Diskussion teilnehmen wollen oder bereits Nutzer sind, ihre Erfahrungen ausgetauscht. Was sie teilen, ist ein Sammelsurium von Erfahrungen, Gerüchten und gelegentlich auch fundierten Meinungen.

Cannabinoide als Gegenstand der Forschung

Sogar Pharmakologen und Klinikärzte diskutieren darüber, was man tun kann. Viele geben zu, dass sie nichts über Cannabis wissen.  Sie haben wenig Kenntnis über die Hunderte von Cannabinoiden, die die Pflanze enthält. Die  beiden wichtigsten Cannabinoide sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Wie sie mit dem menschlichen Endocannabinoidsystem interagieren, das erst Anfang der 90er Jahre entdeckt wurde, ist immer noch Gegenstand vieler Untersuchungen. Es gäbe vielversprechende Aussichten, dass medizinisches Cannabis Teil der Lösung für die Adipositas– und Diabetes-Bekämpfung sein könnte, schrieb Frank L. Greenway, Leitender Arzt am Pennington Biomedical Research Center, Louisiana State University, im international Journal of Obesity. Marihuana und seine Bestandteile sollten verstärkt Gegenstand der Untersuchung von Forschern zum Thema Fettleibigkeit sein, meint Dr. Greenway.

Cannabisnutzer haben weniger Diabetes

Einer der überraschendsten Effekte ist die Verbindung von Cannabis zu einem niedrigeren Körpergewicht. Sehe man sich die epidemiologische Literatur an, stelle sich heraus, dass Cannabiskonsumenten ein geringeres Körpergewicht, niedrigere Werte für Typ-2-Diabetes, niedrigere Werte für Stoffwechselerkrankungen und eine bessere Insulinfunktion hätten, sagte Angela Bryan, PhD, Professorin für Sozialpsychologie und Neurowissenschaften an der University of Colorado, Boulder. Eine besonders große Studie aus dem Jahr 2012 ergab, dass Erwachsene im Alter von 20-59 Jahren, die Marihuana konsumierten, eine geringere Häufigkeit von Typ-2-Diabetes und eine geringere Wahrscheinlichkeit von Diabetes im Vergleich zu Nicht-Marihuana-Nutzern hatten. Eine neuere Untersuchung ergab, dass der Marihuanakonsum mit einem niedrigeren Nüchtern-Insulin und einem niedrigeren HOMA-IR-Spiegel (Homeostasis-Modellbewertung der Insulinresistenz) bei fettleibigen, aber nicht bei nicht fettleibigen Erwachsenen verbunden ist. Dieser Effekt trat sogar bei einem Konsum auf, der weniger als viermal im Monat stattfand. Selbst ehemalige Verbraucher mit hohem Lebenszeitgebrauch hatten einen signifikant niedrigeren Insulinspiegel.

Cannabinoide gegen Autoimmunerkrankungen

Theoretisch könnten Cannabinoide bei der Bekämpfung von Autoimmunerkrankungen helfen, meint auch Yu-Fung Lin, PhD, außerordentlicher Professor für Anästhesiologie an der University of California, Davis. Menschen mit Typ-1-Diabetes könnten von der Anwendung der richtigen Cannabisart profitieren, sagte sie.