Tourette-Syndrom und Cannabis

Seitdem Cannabis als medizinische Heilpflanze in Deutschland legal ist, wird nicht selten von therapierenden Wirkungen auf Patienten des Tourette-Syndroms berichtet. Hierbei handelt es sich um eine vererbbare Krankheit neuropsychiatrischer Natur, deren Verlauf in aller Regel bereits in der Kindheit beginnt. Betroffene befinden sich in einem Zustand, in welchem sie permanent stimmlichen und körperlichen Ticks wie ruckartigen, unkontrollierten Bewegungen und ungewolltem Sprechen ausgesetzt sind. Dieser Artikel klärt darüber auf, ob und wie die Einnahme von Cannabis gegen die Krankheit wirkt.

 

Abnahme der Ticks

Zu den Auswirkungen des Cannabiskonsums auf die Häufigkeit der Tourette-Ticks wurden bereits mehrere Studien durchgeführt, eine davon in Hannover. Laut dieser Studie verwenden von 64 Tourettepatienten 17 Cannabis, um die Symptome besser kontrollieren zu können. Von diesen 17 Patienten konnten 14 eine merkliche Erleichterung von den störenden Ticks nach der Einnahme von Marihuana verzeichnen. Trotzdem gibt es auch Hinweise darauf, dass der Cannabiskonsum genau den gegenteiligen Effekt zur Folge hat. In diesem Sinne konnte eine andere Studie eine Zunahme von zwanghaften Symptomen, Verhaltensstörungen sowie Angstzuständen aufgrund des in Cannabis enthaltenen THC bei bestimmten Patienten feststellen. Da die Substanz bei jedem Menschen unterschiedlich wirkt, ist es schwierig, eine allgemeingültige Aussage über die Wirksamkeit der Medikamente zu treffen.

 

Konventionelle Medikamente

Neben der Therapiemethode mit medizinischem Cannabis untersuchen Forscher regelmäßig die herkömmlichen TS-Medikamente sowie die Kombinationsmöglichkeiten von Cannabis und konventionellen Medikamenten. So könnte das Zusammenspiel von Risperidon, Amisulprid und THC besonders wirksam sein. Für eine Kombinationsbehandlung spricht darüber hinaus auch, dass bisher keine schwerwiegenden Nebenwirkungen durch die gemeinsame Einnahme der verschiedenen Medikamente nachgewiesen werden konnten.

 

Insomnia und Anxiolytic

Eine häufige Begleiterscheinung des Tourette-Syndroms sind Schlafstörungen. Obwohl bislang noch keine handfesten Forschungsergebnisse zu diesem Zusammenhang vorliegen, gibt viele Indizien dafür, dass Cannabis als natürliches Schlafmittel wirkt und somit einigen Tourette-Patienten zugute kommen könnte. Neben der Insomnia ist auch die Aggression ein weit verbreitetes Symptom der Krankheit. Viele Patienten erleben nach der Einnahme der “Cannabis-Tablette” Idrasil einen Rückgang der aggressiven Ticks sowie der Angststörungen. Jedes vierte Kind, welches am Tourette-Syndrom leidet, hat mit Aggression und ungewollten Wutausbrüchen zu kämpfen, was nicht selten zu körperlichen Schädigungen und Selbstverletzungen führt. Ob das Medikament auf Cannabisbasis auch für Kinder unbedenklich und geeignet ist, muss noch erforscht werden.