Kann man auf Cannabis allergisch reagieren?

Da Cannabis immer mehr an Bedeutung gewinnt und weniger tabuisiert ist, werden sich erfahrene und unerfahrene Anwender immer mehr darüber bewusst, wie der menschliche Körper auf die Pflanze reagiert. Für diejenigen, die unter saisonalen, pflanzlichen oder Lebensmittel-Allergien leiden, könnte die Frage ” Bin ich allergisch gegen Cannabis? ” bedeutsam sein.

Cannabis-Allergie: Ist das möglich?

Obwohl die Forschung bisher begrenzt ist, wissen wir, dass es Cannabisallergien gibt. Cannabis hat eine lange, vielgestaltige Geschichte von Stigmatisierung und Geheimnis. Eine Vielzahl von Wirkungen und Nebenwirkungen wurden der Pflanze im Laufe der Jahre zugeschrieben. Einige dieser Wirkungen waren zutreffend, während andere vollständig aus der Luft gegriffen waren. Cannabis ist eine Pflanze. Daher ist es möglich, dass Menschen allergisch auf sie reagieren. Aber die Möglichkeit einer Cannabis-Allergie ist weder eine übertriebene Panikmache noch ein Hinweis darauf, dass die Pflanze weniger gesund oder therapeutisch ist. Es ist vielmehr die gleiche Möglichkeit wie bei jeder anderen Pflanze, die zwar normalerweise von Nutzen ist, aber bei einigen Verbrauchern Allergien auslösen kann.

Cannabis-Allergie: LTPs als Allergene

Mehrere neuere Studien haben Lipidtransferproteine (LTPs) als wahrscheinliche Allergene in Cannabis identifiziert. LTPs sind Proteine, die als Allergene wirken und häufig in pflanzlichen Lebensmitteln und Pollen vorkommen. LTPs verursachen allergische Reaktionen beim Menschen, indem sie eine Überproduktion von Antikörpern auslösen. In einer Studie vom 2. März 2019, veröffentlicht im Journal of Allergy & Clinical Immunology erhielten 120 Cannabis-Allergiepatienten und 62 gesunde Kontrollpersonen einen Hanfextrakt mittels drei verschiedener Verabreichungstests, darunter einem Haut-Sticheltest. Der Hanfextrakt war reich an Can s 3, einem unspezifischen LTP, das in Cannabis vorkommt. Die Studie kam zu dem Schluss, dass etwa 80% der getesteten Cannabisallergiepatienten empfindlich auf das Can s 3 Protein reagierten. 72% der Patienten mit anaphylaktischer Wirkung zeigten ebenfalls positiv Reaktionen auf  Can s 3. Diese Studie deutet also darauf hin, dass LTPs eine wichtige Rolle bei der Auslösung allergischer Reaktionen auf Cannabis spielen.

Cannabis-Allergie: Kreuzreaktionen

Andere Studien haben ähnliche Ergebnisse bei der Bestimmung einer Cannabis-LTP-Empfindlichkeit bei Cannabis-Allergiepatienten ergeben. Einige dieser Studien zeigen auch eine wiederkehrende Kreuzreaktion mit anderen Pflanzen, die ähnliche Proteine aufweisen. Dies geht aus einer Studie vom Dezember 2017 hervor, die im French Journal of Clinical Pneumology veröffentlicht wurde. Kreuzreaktionen treten auf, wenn jemand eine allergische Reaktion auf ähnliche Proteine aus anderen Wirkstoffen hat. Etwa 45% der Cannabis-Allergiepatienten in der Journal of Allergy & Clinical Immunology Studie berichteten auch über allergische Reaktionen auf pflanzliche Lebensmittel. Eine Studie aus dem Jahr 2008  fand eine Kreuzreaktion mit Tomaten-, Pfirsichschalen- und Pollenextrakte. Eine Studie aus dem Jahr 2013 des Internen Archivs für Allergie und Immunologie testete 21 Patienten mit Lebensmittelallergien auf ihre Reaktion auf Cannabis-LTPs. Zwölf der 21 Testpersonen waren ebenfalls allergisch gegen Cannabis.  Alle zwölf hatten heftigere Reaktionen auf eine Lebensmittelallergie als diejenigen ohne Cannabisallergie. Eine Studie aus dem Jahr 2008 aus dem gleichen Journal testete 32 Probanden auf ihre allergische Reaktion auf Cannabis-LTPs sowie auf Tomaten-, Pfirsichschalen- und Pollenextrakte. Alle Personen, die gegenüber Tomatenallergenen empfindlich waren, reagierten auch auf Cannabis. Auch die Kreuzreaktion auf Pfirsichschalen und Cannabis war ausgeprägt. Diese Studien liefern weitere Belege dafür, dass LTPs eine zentrale Rolle bei Cannabisallergien spielen und der Hauptverursacher einer Kreuzreaktion mit anderen Lebensmittelallergien sein könnten.

Cannabis-Allergien: Terpene

Terpene sind Verbindungen, die für das Aroma und den Geschmack von Cannabis und einer Vielzahl anderer Pflanzen verantwortlich sind. Ähnlich wie bekannte Cannabisverbindungen wie Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC) haben Terpene einen vielfältigen medizinischen Nutzen. Möglicherweise sind sie jedoch  auch für allergische Reaktionen auf Cannabis verantwortlich. So kann beispielsweise das Terpen-Linalool allergische Reaktionen auslösen, wenn es oxidiert oder der Luft ausgesetzt wird. In einer Studie aus dem Jahr 2010 über Linalool wurden verschiedene Konzentrationen von oxidierten Linalool-Pflastern auf die Haut von 1.151 Dermatitis-Patienten aufgebracht.  5-7% der Patienten reagierten positiv auf Linalool. Eine ähnliche Studie aus dem Jahr 2016 testete oxidiertes Linalool und oxidiertes Limonen, ein weiteres prominentes Terpen in Cannabis, an einer Gruppe von 2.900 Dermatitispatienten. 281 von ihnen wiesen allergische Reaktionen auf eines oder beide der Terpene auf. Erkenntnisse wie diese deuten nicht unbedingt auf eine hohe Wahrscheinlichkeit hin, dass Terpene einen bedeutenden Faktor für die meisten Cannabisallergien darstellen. Sie sind jedoch ein eindeutige Hinweis dafür, dass einige allergische Reaktionen auf Cannabis, insbesondere Hautallergien, terpenbedingt sind.

Cannabis-Allergien: Anzeichen und Symptome

Je nachdem, wie die Wirkstoffe in Cannabis mit dem Körper interagieren – d.h. Hautkontakt, Einatmen von Pollen etc. – werden Cannabis-Allergien mit einer Vielzahl von Symptomen beschrieben. Die meisten von ihnen sind auch typisch für andere Allergien. In einem Bericht der kanadischen CTV News über die Entwicklung von Cannabis-Allergien in der Zeit nach der Legalisierung von Cannabis sagte der in Toronto ansässige Immunologe und Allergieexperte Dr. Gordon Sussman, dass eine höhere Cannabis-Exposition in der breiten Öffentlichkeit unweigerlich zu mehr gemeldeten Fällen von Cannabisallergien führen wird. Sussman hat in den letzten 10 Jahren eine steigende Zahl von Cannabis sensitiven Patienten gesehen und untersucht aktiv das Phänomen der nicht diagnostizierten Cannabis-Allergien. Er möchte das Bewusstsein darüber schärfen, um Ärzte besser vorzubereiten. In einer Studie aus Colorado hätten etwa 10% der Menschen, die nur passiv  Cannabis ausgesetzt waren, allergische Reaktionen gezeigt, sagte Dr. Sussman. In demselben CTV-Bericht sagte er, dass Hautkontakt mit der Cannabispflanze Reizungen verursachen könne, die von einem leichten Juckreiz bis hin zu Nesselsucht und geschwollenen Augen reichen. Das Rauchen von Cannabis oder das Einatmen von Cannabispollen kann zu Niesen und einer laufenden Nase führen. Auch Pfeifen, Kurzatmigkeit und Asthmasymptome sind möglich. Wenn Cannabispatienten Hanfsamen oder andere Cannabisprodukte essen, können sie auch anaphylaktische Symptome entwickeln.

Cannabis-Allergie: Was kann man tun?

Dr. Sussman erklärte CTV Nachrichten, dass das Vermeiden von Cannabis der einzige wirksame Weg ist, um mit der Allergie umzugehen.  Wenn man einen positiven Test auf Cannabis-Allergien durchführ en lässt und allgemeine Allergiesymptome feststellt werden, kann ein Arzt oder Allergiker allgemeine Allergiebehandlungsmethoden – z.B. Nasenspray, Antihistaminika oder EpiPens, wenn nötig – verschreiben, um die Symptome zu reduzieren oder zu beseitigen.