Cannabis-basierte Medikamente für Kinder

Eltern erkundigen sich immer häufiger bei Kinderärzten nach einer Behandlung ihrer Kinder mit Cannabidiol (CBD)-Produkten, die über Geschäfte, Online-Händler und Apotheken erhältlich sind. Da viele Eltern CBD regelmäßig nehmen, ist es wahrscheinlich, dass Kindern diese Produkte ohne Zustimmung von Kinderärzten bei Beschwerden wie Angst, Schlafstörungen und Schmerzen verabreicht werden.

CBD und THC in Cannabis

Cannabis enthält über 100 verschiedene Chemikalien, die als Cannabinoide bezeichnet werden. Die wichtigste psychoaktive Komponente in Cannabis ist Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC). Es ruft Euphorie, Veränderungen in Wahrnehmung und Stimmung sowie einen erhöhten Appetit hervor. Im Gegensatz dazu führt CBD allein zu einer Beruhigung, ohne die mit THC verbundenen psychoaktiven Effekte.

Marihuana und Hanf

Marihuana besteht aus den getrockneten Blüten, Blättern und Stängeln der weiblichen Cannabispflanze und enthält zwischen 3% und 20% THC. Verschiedene Unterarten von Cannabis enthalten unterschiedliche Verhältnisse von THC zu CBD.  Das höchste Verhältnissen ist in Cannabis sativa, das niedrigste in Cannabis indica. Hanf ist ein Begriff, der verwendet wird, um Cannabissorten mit 0,3% oder weniger THC zu klassifizieren Es ist die Quelle der meisten kommerziell erhältlichen CBD-Produkte. Cannabidiol wird zum Inhalieren durch Rauchen oder Vaping  (Dampfen), zur Einnahme über Sprays, Pillen, Ölen oder Tinkturen, als CBD-infundiertes Lebensmittel oder zur äußerlichen Anwendung als Creme oder Melisse verkauft.

Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD)

Delta-9-tetrahydrocannabinol übt seine Wirkung aus, indem es an 2 Zellmembranrezeptoren bindet. Diese werden als Cannabinoid Typ 1 (CB1) Rezeptor und Typ 2 (CB2) Rezeptor bezeichnet. Cannabinoid Typ 1-Rezeptoren sind hauptsächlich im Gehirn konzentriert; CB2-Rezeptoren sind in Immun- und blutbildenden Zellen zu finden. Durch seine Wirkung auf diese Rezeptoren beeinflusst THC Schmerzen, Wahrnehmung, Angst, Lernen, Gedächtnis und motorische Kontrolle. Im Gegensatz dazu hat CBD keinen Einfluss auf die CB1– und CB2-Rezeptoren. Es übt seine beruhigende Wirkung aus, indem es zahlreiche andere Neurotransmitter beeinflusst. CBD reduziert außerdem die euphorischen Auswirkungen von THC, indem es seinen Einfluss auf die CB1- und CB2-Rezeptoren hemmt und den Stoffwechsel von THC mitreguliert.

Epidiolex in den USA und in der EU

Bislang hat die US Food and Drug Administration (FDA) nur ein CBD-Medikament, Epidiolex, als Antiepileptikum zur Behandlung von therapieresistenten Anfällen bei Patienten ab 2 Jahren mit Lennox-Gastaut-Syndrom oder Dravet-Syndrom zugelassen. In der EU ist Epidiolex im Juli 2019 von dem Humanausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) für die Zulassung empfohlen worden. Epidiolex, das auch in den USA erst im vergangenen Jahr zugelassen wurde, ist synthetisches CBD und enthält kein THC. Umfangreiche klinische Studien mit diesem Medikament wurden durchgeführt und die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse über seinen Nutzen und seine Nebenwirkungen.

Medizinische Cannabinoide bei Kindern und Jugendlichen

Die US-amerikanischen Wissenschaftler Wong and Wilens veröffentlichten 2017 eine systematische Übersicht über medizinische Cannabinoide bei Kindern. In 22 Studien fanden sie ausreichende Beweise dafür, dass THC-basierte Produkte  bei chemotherapiebedingter Übelkeit  und  CBD-basierte Medikamente bei Epilepsie wirksam sind. Sie berichteten auch über unzureichende Beweise für Cannabinoide bei Spastik, Tourette-Syndrom, neuropathischen Schmerzen und posttraumatischen Belastungsstörungen. Sie plädierten für weitere Forschungen zu CBD und THC, da Freizeit-Cannabis potenzielle psychiatrische und neurokognitive Nebenwirkungen hat. Diese schließen einen verminderten Intelligenzquotienten, Defizite im Gedächtnis, psychomotorische Leistung und Aufmerksamkeit ein.